Felle gerben

Die Reinigung:
Da die fettreichen Unterhautschichten für Bakertieren u.ä. das reinste Schlaraffenland sind sollten diese entfernt werden. Die besten Ergebnisse erreicht ihr wenn ihr euch zu diesem Zweck einen einfachen Gerbebaum herstellt.
Hier reicht schon ein einfacher Balken von ca. 15-20cm Kantenlänge und ca. 1,50m Länge. Die eine Seite hobelt und raspelt ihr euch halbrund zurecht. Abschließend wird das Ganze noch mit Sandpapier geglättet. Kleinere Unebenheiten spielen, zumindest für den Hobbygerber, dabei keine allzugroße Rolle, jedoch sollten alle scharfen Kanten entfernt werden. Die eine Seite des Balkens bockt ihr euch nun auf eine angenehme Arbeitshöhe auf und schon kann es losgehen.

Das Fell wird nun, Haare nach unten, auf den Gerbebaum gelegt. Jetzt genügt schon ein einfaches Messer um das Unterhautgewebe geduldig abzuschaben, nur sehr scharf sollte es sein.
Es muß darauf geachtet werden, daß man das Fell, am besten mit dem eigenen Körper, am Ende des Baums festklemmt und man es unter Spannung bearbeiten kann. Dies soll vermeiden, daß das Fell Beulen wirft und man sich Löcher hineinschneidet.
Je frischer das Fell ist desto leichter ist es zu bearbeiten. Sinnvoll ist es auch, um gleich auch Dreck zu entfernen, es vor der Reinigung zu spülen. Wird das Fell während der Reinigung zu trocken, so daß sich das Fett schlechter abschaben läßt so wässert man es einfach noch einmal nach. Ich werde demnächst probieren ob eine Wässerung über Nacht das Putzergebnis positiv beeinflußt.
Nach all der Putzerei kommt der nächste Schritt um die Verrotung zu stoppen, da die Entfernung des Großteils der Bakteriennahrung (Fett usw.) leider noch nicht genügt.

Die Trocknung:
Um das Fell zu trocknen nagelt ihr einen einfachen Rahmen aus Holz zusammen, welcher etwas größer als das ausgelegte Fell sein sollte. Welches Holz spielt dabei keine Rolle, je billiger desto lieber. In der Stärke sollte es zumindest Dachlattenstärke haben, da ein Fell beim Trocknen enorme Kräfte entwickeln kann.
In diesen Rahmen wird nun das Fell, entlang all seiner Seiten, genagelt. Dabei sollte das Fell unter Spannung sein, daß es sich nicht zusammenziehen kann.
Der Trockenrahmen muß anschließend an einem trockenen und gut durchlüfteten Platz aufgestellt werden. Auf diese Weise geht die Trockung in einer dem Fell unschädlichen Geschwindigkeit vonstatten. Wer sie etwas beschleunigen möchte kann das feuchte Fell (nur die Fleischseite) zusätzlich noch mit etwas Salz einreiben, welches zusätzlich einer Verwesung entgegenwirkt.

Bevor ihr die Felle gerbt solltet ihr sie gründlich mit einer Seifenlauge waschen. Denn die Gerbelösung ändert nicht viel am Geruch des Felles. Steckt ihr einen „nassen Hund“ (also geruchsmässig 😉 ) in die Lösung, kommt auch ein „nasser Hund“ raus. Ist das Fell hingegen frisch gewaschen wird es auch noch so riechen wenn es die Lösung verläßt. Zumindest nach meinen ersten Versuchen…

Das folgende Rezept einer Gerbelösung bezieht sich auf ein Fell eines halb ausgewachsenen Schaflamms. Bei Fellen mit weniger Haar, aber gleicher Größe, kann die Konzentration geringer sein. Experiementiert etwas!
Zunächst füllt ihr 10l Wasser in einen geeigneten Bottich. Vorzugsweise Plastik oder Holz, da Metallbehälter die Lösung negativ beeinflussen können.
Nun erhitzt ihr weitere 2l Wasser bis kurz vor dem Siedepunkt (80°). Im heißen Wasser löst ihr 1kg Alaun und 100g Kochsalz. Das Alaun wird sich nicht komplett lösen, darauf kommt es aber nicht an. Nun füllt ihr das ganze zu den ersten 10l Wasser. Jetzt noch ein paar Esslöffel Borax hinzu bis das Gemisch eine leichte Trübung erfährt. Kräftig umrühren bis keine Salze mehr zu sehen sind.
In dieses Bad kommt nun das Fell, so daß möglichst viel Fellfläche frei schwimmt. Das Ganze wird mit einem oder mehreren sauberen Steinen beschwert.
Nun bleibt nichts weiter zu tun als jeden Tag das Fell zu wenden und die Lösung erneut umzurühren.
Nach etwa 10 Tagen ist das Fell gegerbt und kann aus der Lösung genommen werden.
Es wird nun ähnlich zum Trocknen aufgehängt wie bei der „Lagerungstrocknung“, jedoch ohne das Salz.

Sobald die ersten kleinen Trockenflecken auf der Fleischseite zu sehen sind folgen die abschließenden Arbeiten: das Fetten und das Weichmachen.
Hier fehlt es mir noch an Erfahrung und den entsprechenden Erfolgen, daher gebe ich nur die graue Theorie wieder.
Zur Fettung massiert und walkt ihr Glycerin in die Fleischseite, was zur Wasserverdrängung beiträgt.
Zur Weichmachung zieht (der Gerber spricht von „stollen“) ihr das Fell über eine Kante wie ein Brett oder alternativ ein gespanntes Seil. Dies verdrängt das restliche Wasser aus dem Fell und verhindert durch die beständige Dehnung der Hautfasern daß das Fell zu hart wird.
Aber vorsichtig, das Fell ist feucht noch relativ empfindlich und kann bei falschem oder zu starkem Zug reißen. Man entwickelt aber recht schnell ein Gefühl dafür.
Diese recht anstrengende Arbeit muß fortgeführt werden bis das Fell vollständig trocken ist.
Und fertig ist das selbstgegerbte Fell.

Abschließend muß noch erwähnt werden, daß die Alaungerbung zu den „unechten“ Gerbarten gehört, daß heißt sie ist nicht wasserfest. Also evtl. das Fell abschließend noch räuchern.

Hier noch ein Buch das mir sehr bei meinen Versuchen geholfen hat (auch das obige Rezept ist daraus entnommen):

Ottiger Helmut, Reeb Ursula 1991: Gerben: Leder und Felle selbst gerben. Stuttgart 1991

Ich werde mich im folgenden daran machen die obigen Arbeitsschritte zu perfektionieren. Anschließend wollte ich mich der Tannin- oder vegetabilen Gerbung zuwenden, welche zu den „echten“ Gerbarten zählt. Die Alaungerbung ist halt etwas anfängerfreundlicher 😉
Das ganze soll dann in Form eines Artikels auf „meiner“ Homepage publiziert werden. Dort wird dann auch weitere Literatur zum Thema erwähnt werden.

Quelle: Sebastians Homepage

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