Der Holzfäller oder Vom richtigen Wünschen

Es war einmal ein armer Holzfäller. Der lebte mit seiner Frau und seiner Mutter in einem kleinen, armseligen Häuschen am Waldrand. Ihm und seiner jungen Frau waren leider keine Kinder beschieden und das machte seine Frau sehr traurig. Seine Mutter war alt und schon fast blind, dadurch fürchtete sie eine Last für ihren Sohn zu sein. Schon einige Zeit war der Regen ausgeblieben und der Holzfäller hatte Probleme gutes Holz zu finden. Er wußte nicht mehr, wie er seine kleine Familie ernähren sollte.

Eines Tages ging er tiefer als sonst in den Wald, immer weiter und weiter. Trübsinnig und sorgenvoll waren seine Gedanken, als er einen wunderbaren Baum sah. Sofort dachte er bei sich, was für ein wundervolles Holz dies sein und das daraus gewiss Musikinstrumente hergestellt werden könnten, was es um so wertvoller machte. So hob er die Axt an und wollte zuschlagen um den Baum zu fällen, als ein Naturgeist erschien.

„Was machst Du da?“, rief der Geist.
„Ich fälle diesen Baum“, sagte der Holzfäller.
Da fing der Geist zu jammern und zu flehen an: „Der Baum ist mein Zuhause, wo soll ich wohnen, wenn Du ihn fällst. Obdachlos werde ich sein, ohne Heimat. Bitte laß den Baum stehen. Dann erfülle ich Dir einen Wunsch.“
Der Holzfäller kam ins grübeln: „Ich lasse Deinen Baum stehen, aber ich kann unmöglich den Wunsch sofort äußern, erst möchte ich mich mit meiner Familie beraten.“
„Gut“, sagte der Geist „morgen Mittag sei wieder hier und äußere Deinen Wunsch. Bis dahin hast Du genug Zeit zum überlegen.“

Der Holzfäller ging eiligen Schrittes nach Hause. Dort berichtete er seiner Frau und seiner Mutter, was vorgefallen war.

Seine Mutter sagte: „Mein Sohn, ich bin fast blind und eine Last, ihr aber seid jung und könnt noch viele Kinder haben und lange und glücklich leben. Wünsche Dir mein Augenlicht zurück.“
Als sie zu Bett gingen sagte seine Frau: „Mein Gemahl, Deine Mutter ist alt und nur Allah weis, wie lange sie noch zu leben hat, ich aber bin jung und wir sind kinderlos, wünsche Dir viele starke Söhne.“ Dann schlief sie ein.
Der Holzfäller aber wälzte sich die ganze Nacht. Er war seiner Mutter dankbar, die ihn gebohren und großgezogen hatte und wünschte ihr einen schönen Lebensabend. Aber er wollte auch seine Frau glücklich machen und sie wünschten sich zusammen so gerne Kinder. Schon jetzt wußte er allerdings nicht, wie er alle ernähren sollte, vielleicht sollte er sich Reichtum wünschen. Er überlegte und grübelte, welcher Wunsch der wichtigste wäre.

Am nächsten Morgen stand er auf und schritt entschlossen zum Baum des Naturgeistes. Um Mittag erschien der Geist und fragt: „Nun, was ist Dein Wunsch?“
Der Holzfäller lächelte: „Ich wünsche mir, das meine Mutter sehen kann, wie unsere zahlreichen Söhne von silbernem Geschirr essen.“

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