Begriffe aus dem Mittelalter

Beginen – die größte Frauenbewegung des Mittelalters. Sie organisierten sich in Frauenhäusern mit selbstgewählten Vorstand oder zogen durchs Land und predikten öffentlich in Dörfern und Städten. Sie kümmerten sich auch um die Siechen und Hilfsbedürftigen, waren frei von kirchlichen Satzungen und meißt unverheiratet. Zeitweise war ihre Bewegung vom Pabst verboten, er nannte sie eine „abscheuliche Sekte“. [ArnZit]

Bilwis – ist die alte Bezeichung für Hexe. Der Begriffe Hexe kam erst im späten Mittelalter mit der Hexenverfolgung auf. [ArnZit]

Etter – der Zaun um das Dorf, teilweise noch mit Dornen verstärkt. Es sollte Haus, Mensch und Tier vor Überfällen und wilden Tiern schützen. [ArnZit]

Fron, Zehnt, Zins – die drei häufigsten Bezeichnungen für die Abgaben, die Bauern und Hörige an die Grundbesitzer leisten mußten. Der Zehnt, zehn Prozent von bestimmten Beträgen, ursprünglich eine kirchliche Abgabelast. Dieser Zehnt konnte verpfändet, aufgekauft oder eingezogen werden, natürlich nur von Adeligen. Ein sehr undurchsichtige System, einige Autoren vergleichen es mit der Undurchsichtigkeit des heutigen Steuersystems. [ArnZit]

Hundeloch – zum vorrübergehenden Einlochen von Straftätern. Später lag dieses unter dem Rathaus. Feste Gefängnisse gab es wohl eher selten, die Rechtssprechung wendete die befristete Haftstrafe noch nicht.an. [ArnZit]

Knieharfe – eine kleine Harfe, viel kleiner als eine Konzertharfe und herb im Ton [ArnZit]

Pandura – eine langhalsige Laute und ein Volksmusikinstrument in Persien. Hier in Westeuropa wurde und wird sie kaum gespielt. [ArnZit]

Puri Dai – Stammesmutter der Rom (siehe Zigeuner) [ArnZit]

Rieser Ketzer – Freigeister der 13. Jahrhunderts. Die Mitglieder nannten sich „Schwestern und Brüder vom freien Geist“. Ihre Kritik an Gesellschaft und Moral war sehr radikal und ihr Freiheitsanspruch total. Leider sind die Thesen nicht erhalten, aber es gibt Bruchstücke aus Verhörprotokollen.
– Ein freier Mensch braucht keine Gebote.
– Sünde ist nur, was man dafür hält.
– Liebe- und tu, was Du willst.
– Jedes Geschöpf ist wie Gott selbst.
Ziel und Ausgangspunkt der Rieser Radikalen war die Ehrfurcht vor dem Leben, daraus zogen sie diese Folgerungen:
– Alles muß allen gemeinsam sein.
– Armut ist die wirklich Hölle, eine andere gibt es nicht
– Christus ist Gott, wie Dein Mitmensch es ist.
– Auch eine Frau kann Gott sein.
– Sexuell lieben heißt beten mit dem Leib.
– Heiligenverehrung ist Aberglaube.
– Es gibt Gutes und Böses in uns, aber Engel und Teufel existieren nicht.
– Priester, Klöster sind überflüssig:
– Der freie Mensch, der eins ist mit Gott ist, bedarf keiner Gebete mehr.
– Einen Mensch bessern wiegt den Bau von hundert Kirchen aus.
Die Nördlicher Häretiker blideten im Schwäbischen lose Gruppen, in denen Frauen eine führende Rolle spielten. Die Zusammenkünfte liefen im Geheimen, die Treffen wurden „Paradies“ genannt. Da sie alle Sakramente der Kirche, also auch das der Ehe nicht anerkannten, wurden sie der rohen Unzucht angeklagt. Außerdem wurden ihnen unterstellt, Kinder auf ihren Treffen zu schlachten. Sie wurden gejagt, ihre Schriften verbrannt, der Staat beschlagtnahmte ihre Habe, sie wurden verhört und an ihren Häusern wurde von Stockknechten Feuer gelegt. [ArnZit]

schwarze Mönche – Verhörspezialisten, Inquistioren, Angehörige des Dominikanerordens [ArnZit]

Vaganten – sind Schüler und Studenten ohne Berufsaufblidung, die sich Spielleuten und ihrem Volk (Pfeifern, Paukern, Fiedlern, Liedermacher, Springer, Gaukler, Dirnen, Possenreißer und Bärenführer) anschließen. Sie ziehen durch die Lande und führen ein „verläumdet Leben“. [ArnZit]

Zigeuner – im Hochmittelalter kommen sie erstmals vom Balkan nach Westeuropa und auch Deutschland. Ihre ursprüngliche Heimat ist das nordwestliche Indien und der Zeit des Aufbruchs liegt im Dunkeln. Sie werden für Mongolen / Tataren gehalten. Da sie als Herkunftsland Ägypten angeben, entstehen Bezeichungen wie z.B. „Gypsies“. Im späten Mittelalter und zu Beginn der Neuzeit werden die Zigeuner in Europa zu Freiwild. Die Zigeuner glauben, das Glückskinder die Gabe haben, verborgene Schätze aufzuspüren.
Andere Bezeichnunge für diese wandernde Volk: Rom [ArnZit]

Quellangaben:
[ArntZit] = Arnulf Zitelmann, „Unter Gauklern“, Beltz & Gelberg 1987, S. 185, ISBN 3407780214

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